Hier gehöre ich dazu

Manchmal fühlt sich Ergotherapie gar nicht wie Therapie an.

Da sind einfach zwei Menschen, ein paar Töpfe, Ableger und eine große Kiste Erde.
Und Hände, die anfangen zu arbeiten.
Gerade bei Menschen mit Demenz erlebe ich immer wieder, dass es gar nicht darum gehen muss, jemanden abzulenken oder ihm zu erklären, welcher Tag heute ist und wo er sich gerade befindet.
Manchmal darf ich einfach schauen: Was ist noch da? Woran kann ich anknüpfen? Was können diese Hände noch? Welches alte Wissen findet seinen Weg ganz von alleine?
Und Gartenarbeit ist tatsächlich etwas ganz Ursprüngliches in der Ergotherapie.
Die Hände gehen in die Erde.
Und plötzlich wird es ganz konkret.
Die Erde ist kühl. Trocken oder feucht. Grob oder fein. Manchmal matschig. Sie rieselt durch die Finger, bleibt unter den Fingernägeln hängen und ja – man macht sich auch einfach mal richtig dreckig.
Erdung im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich muss in diesem Moment nicht wissen, welchen Wochentag wir haben. Vielleicht muss ich mich nicht einmal daran erinnern, was wir gestern zusammen gemacht haben.
Denn meine Hände wissen gerade, was zu tun ist.
Und vielleicht entsteht für einen Moment genau dieses Gefühl:
„Ich weiß gerade nicht, wo ich hingehöre.
Aber ich weiß, was ich hier tue.“

Und dann bekommt das Ganze für mich noch eine zweite Ebene.
Wir nehmen einen Ableger. Eine Pflanze mit Wurzeln. Wir setzen sie aus ihrer bisherigen Umgebung in neue Erde. Wir geben ihr einen neuen Platz und hoffen darauf, dass sie dort wieder anwurzelt.
Wie passend kann ein Bild eigentlich sein?
Denn auch ein Mensch, der sein Zuhause verlassen musste und plötzlich in einer völlig neuen Umgebung lebt, kann sich entwurzelt fühlen.
Vielleicht braucht es dann nicht immer noch mehr Erklärungen.
Vielleicht braucht es manchmal einfach neue Erde. Einen Platz, den man selbst mitgestalten darf. Etwas, für das man verantwortlich sein kann. Und Zeit, um wieder Wurzeln zu schlagen.
Genau deshalb gestalten wir gemeinsam unsere Dachterrasse.
Nicht als hübsche Beschäftigung.
Sondern als einen Ort, an dem etwas Eigenes entstehen darf. Einen Ort für Begegnung und Miteinander. Einen Ort, an dem man sagen kann:
Hier habe ich etwas getan.
Hier kenne ich mich aus.
Hier werde ich gebraucht.
Hier gehöre ich ein Stück dazu.

Und vielleicht ist das manchmal Ergotherapie in ihrer natürlichsten Form:
Stress reduzieren. Erdung ermöglichen. Ressourcen wecken. Selbstwirksamkeit erleben. Zugehörigkeit schaffen.

Nicht immer zurückholen in ein „richtiges“ Gestern oder Morgen.
Sondern einen Zugang schaffen zum Hier und Jetzt.

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